Pressebericht vom 19.09.2002
Politik-Leistungskurs organisierte Podiumsdiskussion / Mit "Fish-Bowl", Vorwahl und "Roter Karte" Interesse für Politik wecken
BAD KROZINGEN. Der Politik-Leistungskurs des Kreisgymnasiums hat am Dienstag, 17. September, alle Erstwähler der Klassen 12 und 13 zu einer offenen Podiumsdiskussion in die Aula eingeladen. Zweieinhalb Stunden standen Vertreter der Jugendorganisationen von CDU, FDP, SPD und den Grünen den Fragen von 55 Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort.
Die Organisatoren Nicolas Greiff, Nils Keller, Patrick Ortner und Daniel Wissmann wollten mit dieser Aktion fünf Tage vor der Bundestagswahl den Parteien die Möglichkeit geben, ihr Programm vorzustellen und möglichst viele junge Wähler zum Gang an die Urne zu bewegen.
Ihr erstes Kreuz durften die Schülerinnen und Schüler schon gleich zu Beginn der Diskussion bei einer "Vorwahl" vergeben. Jürgen Beha (Junge Sozialisten), Torsten Deppen (Junge Grüne), Sascha Fiek (Junge Liberale) und Dieter Mesmer (Junge Union) hatten danach die Chance, in der Diskussion mit Gegnern, Plenum und Moderatoren "ihr" vorläufiges Wahlergebnis zu verbessern.
Bleibt Bildungspolitik Ländersache? Wie wird Frauen geholfen, Familie und Beruf zu verbinden? Wird der Wehrdienst abgeschafft? Mit welchen fünf Maßnahmen wird nach der Wahl die Arbeitslosigkeit bekämpft? Mit diesen und weiteren Fragen wurden die Vertreter von den Moderatoren Daniel und Nils konfrontiert. Zu verschiedenen Bereichen galt es Stellung zu nehmen, am besten kurz und prägnant. Doch ein Zeitlimit gab es nicht. "Wir wollten keine starren Regeln wie beim Ksnzlerduell," sagte Daniel. Schließlich sei es die Diskussion, welche die Politik belebe. Doch eine Chance gab es, um die Redner zu stoppen: die "Rote Karte". Wurden zu viele hochgehalten, gab es eine Zwangspause. Doch die jungen Wähler machten davon selten Gebrauch.
Um den Austausch mit dem Plenum anzuregen, entschied sich der Politik-Lk für eine außergewöhnliche Sitzform. Statt den üblichen Reihen gab es drei Stuhlkreise. Im Innersten saßen Moderatoren und Vertreter der Parteien. Drei freie Stühle sollten die Erstwähler zur Diskussion in den innersten Kreis einladen. "Fish-Bowl" nennt sich diese Diskussionsform. Nur einer traute sich, allerdings diskutierten auch die "äußeren Kreise" kräftig mit. Vor allem zur Irak-Krise gab es viele kritische Fragen.
Am Ende durfte das Plenum zum zweiten Mal an diesem Tag wählen. Während alle auf das Ergebnis warteten, zogen Parteien und Wähler Bilanz. "Es gab zu viele Seitenhiebe. Besser wäre, wenn sich jeder mehr auf seine Partei konzentriert. Fakten sind wichtig," sagte Vivienne Schmidt. Doch ansonsten fand sie die Aktion des Politik-Lks sehr gut, denn Erstwähler müssten sich informieren. Deppen nutzte die Zeit, um die Jugendlichen zur Mitarbeit in den Jugendorganisationen aufzurufen. Bei wem, das sei zweitrangig. Wichtig sei, dass man sich in der Politik engagiere. Der Politik-Lk war zufrieden. Etwas mehr Zeit wäre gut gewesen, aber alle wichtigen Themen hätte man zumindest kurz angeschnitten. "Wahrscheinlich werden alle wählen gehen," hoffte Daniel. Informiert sind sie spätestens jetzt.
Auf einer großen Leinwand erschien dann endlich das Wahlergebnis. Grüne und FDP hatten bei dieser Wahl die Nase vorn.