2. Juni 2008
Immer mehr Menschen legen wert darauf, was sie essen – ob dem Schwein Aspirin gespritzt worden ist, der Blumenkohl mit Pestiziden behandelt wurde, die Kuh genveränderten Mais gegessen hat oder das Huhn Auslauf hatte. Manchen ist es hingegen relativ egal, ob das Huhn glücklich war, während es sich um das Frühstücksei gekümmert hat. Ich halte es nicht für legitim den Verbraucher dazu zu zwingen, den Hühnern große Käfige oder gar Auslauf zu finanzieren, anstatt das Geld anderweitig, zum Beispiel zur Abwendung des Hungertodes von Menschen in der dritten Welt, zu verwenden.
Um nun aber beiden Interessen gerecht zu werden, muss der Verbraucher sehen können was er kauft. Doch ist das heutzutage möglich? Auf einem BMW steht BMW und auch ein Mercedes ist schnell als ein solcher zu erkennen. Doch wie ist das bei Lebensmitteln? Als Testobjekt habe ich das klassische Hühnerei auserkoren und mich aufgemacht, ein konventionelles und ein biologisches Ei zu kaufen und dann seine Geschichte zu erforschen. Hierfür trägt bekanntlich jedes Ei seine Nummer, das auf den ersten Blick die Art der Haltung und das Produktionsland und nach einem Blick ins Internet (http://www.was-steht-auf-dem-ei.de/wasstehtaufdemei) den Produktionsbetrieb verrät. Mit diesen Informationen kann man sich dann wiederum auf die Suche begeben.
Bei meinem Bio-Ei handelte es sich um einen niederländischen Import, was etwas schade ist, da ich zum einen die Sprache nicht versteh und somit nicht allzu viel mit den Informationen anfangen kann und zum anderen die Informationsdichte in den Niederlanden in Bezug auf Hühnereier erschreckend niedrig ist. Alles was ich herausbekommen habe war eine Telefonnummer (von der ich mir nicht einmal sicher bin, dass sie dazu gehört). Hier gingen die Informationen also nicht über die der angegebenen Homepage heraus, aber immerhin weiss ich jetzt, dass die Farm, umgeben von Wiesen und anderen Farmen, am Ortsausgang von Wekerom Richtung Barneveld liegt, was die viel gepriesene Biohaltung ausmacht und dass es die Niederländer nicht so sehr mit der Verbraucherinformation haben.
Das konventionelle Ei stammt hingegen aus Deutschland, um genau zu sein aus Holdorf in Niedersachsen. Diese Farm ist eine von vielen der Deutschen Frühstücksei Gmbh, wobei schnell auffällt, dass nicht nur bei dieser Farm, sondern auch bei einigen anderen dieses Unternehmens die Zulassung seit kurzem unbefristet ruht – wie unter anderem mit Rückgriff auf das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu erkennen ist. Bekommen die Hühner etwa nach Ostern und die für die Hühner sicher anstrengende Zeit ihren wohlverdienten Urlaub? Der Grund ist dem Internet leider nicht zu entnehmen und so bleibt mir nur, mich durch nachfragen weiter schlau zu machen.
Das Bundesamt reagiert nach einigen Tagen auf meine e-Mail, mit dem Hinweis, dass ich mich an das entsprechende Landesministerium wenden soll, was ich in der Folge auch tue (mittlerweile wäre das Ei ungenießbar, wenn ich es nicht bereits gegessen hätte). Da sich solche Informationen aber ganz gerne eine Weile brauchen, bin ich bis zum heutigen Tage unwissend, werde es aber noch nachtragen, falls es spannendes zu berichten gibt. Von der Deutschen Frühstücksei Gmbh steht hingegen noch immer die erste Antwort aus. Allgemein scheint es da ausser einer verbraucherfreundlichen Oberfläche nicht viel zu geben. Die angegebenen Kontaktpersonen reagieren nicht und die groß angekündigte Liveübertragung aus den Hühnerställen funktioniert aus technischen Gründen nicht. Schade eigentlich, ich hätte gerne mal „mein“ Huhn gesehen.
Alles in Allem bleibt festzustellen, dass über die nach entsprechenden gesetzlich geregelten Kategorisierungen heraus nicht allzu viel über die Eier herauszufinden ist. Diese aber ermöglichen bereits die Abgrenzung zwischen der Biohaltung, Freilandhaltung, Bodenhaltung und Käfighaltung, was wohl jeden zu dem von ihm gewünschten Ei führen wird. Bleibt nur die Frage, ob man dieses System nicht auf weitere Lebensmittel ausdehnen sollte.
ruhende Zulassung
hier noch ein kleiner Nachtrag: wie ich gerade vom Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (wer denk sich solche Namen aus?) gehört habe, ist die Farm auf Wunsch des Betreibers wegen Umbauarbeiten nicht gelistet.
Was Eier mit Afrika zu tun haben
>Ich halte es nicht für legitim den Verbraucher dazu zu zwingen, den Hühnern große Käfige oder gar Auslauf zu finanzieren, anstatt das Geld anderweitig, zum Beispiel zur Abwendung des Hungertodes von Menschen in der dritten Welt, zu verwenden.< Natürlich bin ich bei dir, wenn es darum geht, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Aber ich denke man sollte sich davor hüten, den "Hunger in Afrika" stets als Vorwand zu verwenden, um die Dinge hier so zu belassen, wie es einem (finanziell) gelegen kommt. Sonst ließe sich mit dem Hinweis auf "Afrika" so ziemlich jeder Entwicklung - nicht nur im Bereich der Lebensmittelindustrie - behindern und verhindern. Ziel muss es sein, Entwicklung in Industrieländern UND in Entwicklungsländern zu ermöglichen. Dies ist die einzige Möglichkeit wie die Menschen auf beiden Seiten den Prozess akzeptieren - und nur wenn sie ihn akzeptieren, kann er Erfolg haben. Inwiefern sich jetzt größere Hühnerkäfige in der EU und verbesserte Lebensmittelproduktion in Afrika auschließen, kann ich nicht erkennen. Erkennbar ist aber, was die unzähligen Milliarden an EU-Agrarsubventionen in Entwicklungsländern anrichten.
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