15. Juli 2009

Bachelor muss berufsvorbereitend sein

Beim Donnerstagstreffen der Jungen Liberalen am 9. Juli 2009 stand der 1999 gestartete Bologna-Prozess zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums bis zum Jahr 2010 zur Diskussion. Kernelemente des Prozesses sind die Einführung eines gestuften Studiensystems mit den einheitlichen Abschlüssen Bachelor und Master. Ziel der Reform ist es, die Qualität von Studienangeboten zu erhöhen, die Studienabbrecherquote zu verringern, die Studiendauer zu verkürzen, die grenzüberschreitende Mobilität der Studierenden zu erhöhen und die Absolventinnen und Absolventen besser auf den Beruf vorzubereiten. Das Bachelorstudium als grundständiger Studiengang dauert drei Jahre, der Master als Aufbaustudiengang zwei Jahre. Nach Informationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung waren zum Wintersemester 2008/2009 rund 75 Prozent aller Studiengänge auf das Bachelor-/Mastersystem umgestellt.

Die Diskussion wurde durch die jüngst beim Deutschen Bundestag eingereichte Online-Petition ausgelöst, deren Unterstützer einen Rechtsanspruch auf Zulassung zum Masterstudiengang nach erfolgreich abgeschlossenem Bachelorstudium verlangen. Zum Treffen waren zahlreiche Mitglieder der Jungen Liberalen und Interessenten erschienen, die intensiv und kontrovers diskutierten. Die Teilnehmer begrüßten einhellig die Ziele der Reform, an der Qualität der Umsetzung schieden sich jedoch die Geister. Während die Einen vor allem mit Blick auf die langjährige erfolgreiche Praxis der zweistufigen Studienstruktur im Ursprungsland Großbritannien verwiesen, sahen die Anderen ein großes Missverhältnis zwischen dem Gewünschten und dem tatsächlich Erreichten. Die Befürworter des jetzigen Systems unterstrichen vor allem, wie wichtig es sei, dass Studierende frühzeitig Berufserfahrung sammeln. Darüber hinaus koste ein langes Studium unnötig viele Steuergelder. Ein Rechtsanspruch auf den Master verstoße gegen das Leistungsprinzip und verringere den Anreiz, einen guten Bachelorabschluss zu erlangen. Anhänger einer Reform der Reform verwiesen auf das hohe Ansehen der Studienabschlüsse Diplom und Staatsexamen auch im Ausland vor allem in den Fächern Maschinenbau, Jura und Medizin, das man nun verspiele. Das dreijährige Bachelorstudium sei zu kurz, um wie die alten Abschlüsse wirklich auf den Beruf vorzubereiten. Die Ziele, die Studiendauer tatsächlich zu verkürzen, die Studienabbrecherquote zu verringern und die grenzüberschreitende Mobilität der Studierenden zu erhöhen, seien zudem nicht erreicht worden. Im Regelfall dauert ein Bachelorstudium heute sieben Semester, die Studienabbrecherquote hat sich laut Hochschul-Informations-System (HIS) um fünf Prozentpunkte auf 25 Prozent erhöht und die rigiden Studienpläne erschweren es, ein Auslandsstudium einzuplanen. Notwendig sei daher ein Rechtsanspruch auf einen Masterstudiengang oder eine Flexibilisierung und maßvolle Verlängerung des Bachelorstudiums auf vier bis fünf Jahre, um den Charakter des Masters als besonderen Aufbaustudiengang nicht zu gefährden. In einer Frage waren sich die Teilnehmer jedoch einig: Der Bachelor muss berufsvorbereitend sein.

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